In einem Umfeld, in dem die Industrie der Zukunft zunehmend auf die intelligente Interaktion zwischen Mensch und Maschine setzt, ist das Verständnis der zugrunde liegenden kognitiven Mechanismen unerlässlich geworden, um technologische Möglichkeiten mit menschlichen Fähigkeiten in Einklang zu bringen.
Vor diesem Hintergrund hat Jülian Salazar, Doktorand im Bereich der angewandten Kognitionswissenschaften mit Schwerpunkt auf kognitiver Ergonomie am ICube Labor in Zusammenarbeit mit Englabim Rahmen eines von T&S unterstützten CIFRE-Doktorandenprogramms.
Sein Ziel: die Entwicklung menschenzentrierter intelligenter Assistenzsysteme, die sich an die sensorischen und kognitiven Einschränkungen der Bediener anpassen und deren Leistungsfähigkeit in komplexen Umgebungen wie der industriellen Handmontage verbessern können.
Aufmerksamkeitsblindheit verstehen, um Bediener besser zu unterstützen
Im Mittelpunkt von Jülian’s Forschung steht eine in der Psychologie bekannte kognitive Verzerrung: die Unaufmerksamkeitsblindheit.
Dies bezieht sich auf die Tendenz, eine sichtbare Information zu übersehen, wenn sie unerwartet auftaucht, insbesondere wenn die Aufmerksamkeit bereits auf etwas anderes gerichtet ist.
Die Untersuchung dieses Phänomens im Kontext industrieller Montageprozesse hilft dabei, die Grenzen der Aufmerksamkeit der Bediener zu ermitteln, was für die Entwicklung intelligenterer und besser abgestimmter Assistenztechnologien von entscheidender Bedeutung ist.
Jülian erklärt:
«Meine erste Studie hat gezeigt, dass sowohl die kognitive Belastung als auch die Wahrnehmungsbelastung das Auftreten von Unaufmerksamkeitsblindheit bei der manuellen Montage beeinflussen. Das bedeutet, dass selbst sichtbare Informationen unbemerkt bleiben können, wenn sie plötzlich auftauchen, ohne dass der Bediener eine bewusste Handlung ausführt.»
Diese Erkenntnis hat weitreichende Auswirkungen auf kontextbezogene Benutzeroberflächen in der Industrie der Zukunft: Selbst relevante und gut sichtbare Informationen können übersehen werden, wenn sie in Momenten hoher Aufmerksamkeitsanforderungen erscheinen.
Die Herausforderung besteht daher darin, Unterstützungslösungen zu entwickeln, die die kognitive und wahrnehmungsbezogene Belastung regulieren und sicherstellen, dass die Bediener zum richtigen Zeitpunkt auf die relevantesten Informationen zugreifen können.
Das Ergebnis? Bessere Entscheidungsfindung, höhere Leistungsfähigkeit und eine reibungslosere Mensch-Maschine-Integration.
Auf dem Weg zu personalisierten und adaptiven Assistenzsystemen
Das oberste Ziel von Jülian’s Doktorarbeit ist es, personalisierte Assistenzsysteme zu entwickeln, die sich dynamisch an das Aufmerksamkeitsprofil jedes einzelnen Bedieners anpassen.
Um dies zu erreichen, entwarf er ein erstes Versuchsprotokoll, um zu beobachten, wie sich Unaufmerksamkeitsblindheit bei Zusammenbauaufgaben äußert.
Eine zweite Studie wird die Unterschiede zwischen Personen mit und ohne bestimmte Aufmerksamkeitsmerkmale untersuchen.
Schließlich wird ein drittes Protokoll dazu beitragen, festzulegen, wie „Digital Assist“, die intelligente Assistenzlösung von Englab, auf der Grundlage dieser Erkenntnisse angepasst werden kann.
« Mein Ziel ist es, diese Ergebnisse in die von Englab entwickelte Lösung „Digital Assist“ zu integrieren, damit sie sich an unterschiedliche Aufmerksamkeitsprofile anpassen kann, darunter auch an diejenigen von Menschen mit Erkrankungen wie ADHS oder Autismus. »
Dieser integrative Ansatz „ “ spiegelt perfekt die menschenzentrierte Philosophie seiner Forschung wider: die Gestaltung sicherer, effizienterer und barrierefreierer Arbeitsumgebungen für alle kognitiven Profile.
Eine Strukturierung der beruflichen und wissenschaftlichen Erfahrung
Überdie Forschungsergebnisse hinauswar Jülian’s CIFRE-Promotion eine echte Schule in Sachen Genauigkeit, Eigenverantwortung und Projektmanagement.
Er leitete die Arbeit von Anfang bis Ende: Er tauchte in das industrielle Umfeld ein, formulierte Forschungsfragen, entwarf Versuchsprotokolle, koordinierte die Teilnehmer, analysierte Daten und kommunizierte die Ergebnisse an das Unternehmen.
« Durch diese Promotion habe ich echte Management- und Führungskompetenzen erworben. Ich habe gelernt, selbstständig zu arbeiten und dabei die wissenschaftliche Qualität zu wahren. Das CIFRE-Format hat mich zudem dazu angeregt, eine klare und strukturierte Kommunikation zu entwickeln, die unerlässlich ist, um meine Forschungsergebnisse für das Unternehmen zugänglich zu machen. »
Diese doppelte Ausrichtung auf Wissenschaft und Industrie verdeutlicht perfekt den Mehrwert der von T&S und Englab geförderten Projekte: die Verbindung von akademischer Spitzenforschung mit konkreten industriellen Anwendungen, die sowohl Betreibern als auch Organisationen zugutekommen.
Vielversprechende Aussichten
Julianserste Ergebnisse haben bereits die Aufmerksamkeit der internationalen Wissenschaftsgemeinde auf sich gezogen.
Seine erste Studie wurde für die Präsentation auf einer Konferenz in Hawaii angenommen, wo er seine Erkenntnisse zu kognitiver Belastung und Wahrnehmung vorstellen wird.
Und die Reise geht weiter:
« Ich möchte meine Arbeit auf der CHI 2026-Konferenz in Barcelonazu präsentieren, einer der führenden Veranstaltungen im Bereich Mensch-Computer-Interaktion. Die Integration meiner Ergebnisse in Digital Assist wird mir zudem die Tür zu mehr industrieorientierten Publikationen öffnen.“
Diese zunehmende Anerkennung verdeutlicht den praktischen Einfluss seiner Forschung auf die Gestaltung von Industrie 5.0 – einer Ära, in der der Mensch weiterhin im Mittelpunkt der technologischen Innovation steht.
Fazit: Forschung im Dienste der Menschen und der Wirtschaft
JuliansArbeit verkörpert perfekt die Mission, die T&S und Englab im Mittelpunkt ihrer Projekte verfolgen: Wissenschaft und Technologie in den Dienst der Menschen zu stellen.
Dank Initiativen wie dieser basiert die Industrie der Zukunft auf widerstandsfähigeren Systemen, intuitiveren Technologien, inklusiveren Umgebungen und besser unterstützten Anwendern.
Wir bei T&S sind stolz darauf, diese jungen Forscher zu unterstützen, deren Visionen und Leidenschaft die Innovationen von morgen mitgestalten.
Wenn Sie mehr über Julians Abschlussarbeit erfahren möchten, schauen Sie sich unser Video an:



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